BISON gehört zur Gruppe Boerse Stuttgart und ist seit 2019 am Markt. Fuer diesen Testbericht haben wir ausschliesslich die offiziellen Angaben des Anbieters ausgewertet – die Gebuehrenseite, das Hilfecenter und die Risikoinformationen. Stand der Erhebung: 15. August 2026.

Die Regulierungsstruktur

BISON ist kein einzelnes Unternehmen, sondern eine Konstruktion aus mehreren regulierten Einheiten. Wer die Sicherheit beurteilen will, muss diese Aufteilung kennen.

Betreiberin der App ist die EUWAX AG mit Sitz in der Boersenstrasse 4, 70174 Stuttgart. Die Verwahrung der Kryptowerte uebernimmt die Boerse Stuttgart Digital Custody GmbH, die nach Angaben von BISON als erstes Unternehmen eine MiCAR-Lizenz der BaFin erhalten hat. Die Euro-Guthaben werden nicht von BISON selbst gefuehrt, sondern von den Banking-Partnern Solaris SE und Deutsche Bank AG.

Diese Dreiteilung hat eine praktische Konsequenz, die haeufig uebersehen wird: Fuer die Euro-Guthaben greift die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro – und zwar pro Kunde und pro Partnerbank. Bei zwei Partnerbanken koennen damit insgesamt bis zu 200.000 Euro abgesichert sein.

Fuer die Kryptowerte selbst gilt diese Sicherung ausdruecklich nicht. Kryptowaehrungen unterliegen keiner Einlagengarantie. Die Verwahrung ist stattdessen durch ein Versicherungskonzept abgedeckt, das nach Angaben des Anbieters unter anderem gegen Diebstahl und Hackerangriffe schuetzt und im Verwahrentgelt enthalten ist. Eine Versicherung gegen Kursverluste ist das nicht und soll es auch nicht sein.

Einen separaten Vertrag mit den Partnerbanken schliessen Nutzerinnen und Nutzer nicht; BISON bleibt zentraler Ansprechpartner.

Die Gebuehren

Die Gebuehrenseite von BISON ist ungewoehnlich klar aufgebaut und verzichtet auf Staffelungen, Treuestufen und Rabattmechanismen. Das ist ein echter Vorteil – es macht die Kosten aber nicht niedrig.

Kostenlos sind: Kontoeroeffnung, Kontofuehrung, Ein- und Auszahlungen in Euro, Ein- und Auszahlungen von Kryptowaehrungen, Echtzeituebweisungen per Instant SEPA sowie die Verwahrung inklusive Versicherungsschutz.

Die eigentlichen Kosten stecken im Spread. Beim Kauf und Verkauf von Bitcoin und Ethereum liegt der anteilige Spread durchschnittlich bei 1,25 Prozent, bei allen weiteren Kryptowaehrungen bei durchschnittlich 1,75 Prozent. BISON weist selbst darauf hin, dass dieser Wert schwankt und von Marktgegebenheiten und Handelsvolumen abhaengen kann.

Wichtig fuer die Kalkulation: Der Spread faellt in beide Richtungen an. Ein vollstaendiger Zyklus aus Kauf und Verkauf kostet bei einer Altcoin-Position also in der Groessenordnung von 3,5 Prozent, bevor ueberhaupt ein Kursgewinn entstanden ist.

Wer per Kreditkarte, Apple Pay oder Google Pay sofort einzahlt, zahlt zusaetzlich 2,49 Prozent des Transaktionsvolumens. Instant SEPA ist bei BISON kostenlos, kann aber je nach Hausbank dort Gebuehren ausloesen. Fuer Anlegerinnen und Anleger, die regelmaessig einzahlen, ist die Ueberweisung nicht eine von mehreren Optionen, sondern die einzige sinnvolle.

Wertpapiere kosten pauschal 1,99 Euro pro Kauf oder Verkauf, unabhaengig vom Volumen. Bei einer Order ueber 100 Euro entspricht das rund 2 Prozent, bei 1.000 Euro nur noch etwa 0,2 Prozent. Kleine Sparraten in Aktien und ETFs sind hier also vergleichsweise teuer.

Der Punkt, ueber den zu wenig gesprochen wird: Staking

Bei Ethereum und Solana behaelt BISON 27 Prozent der Staking-Rewards ein. Das steht so auf der offiziellen Gebuehrenseite und ist im Marktvergleich am oberen Ende.

Wichtiger ist aber ein zweiter Hinweis auf derselben Seite, den BISON selbst formuliert: Der Staking-Service ist derzeit nicht unter MiCAR reguliert und bietet nicht den durch EU-Vorschriften etablierten Schutz und die Aufsicht.

Das verdient Betonung. Wer BISON gerade wegen der deutschen Regulierung waehlt, sollte wissen, dass genau dieses Argument fuer den Staking-Teil des Angebots nicht traegt. Handel und Verwahrung sind reguliert, Staking nach Angaben des Anbieters nicht.

Immerhin transparent gehandhabt: BISON hat gemeinsam mit Munich Re eine Versicherung entwickelt, die das Slashing-Risiko beim Ethereum-Staking abdeckt – also den moeglichen Verlust von Kryptowerten bei Regelverstoessen durch Validatoren. Die ausfuehrlichen Risikohinweise stehen in den Staking-Sonderbedingungen.

Bewertungen

BISON weist auf der eigenen Website einen Bewertungsdurchschnitt von 4,49 von 5 Sternen aus, gebildet aus insgesamt 48.180 Bewertungen: 4,6 Sterne bei 39.020 Bewertungen im iOS App Store und 4,0 Sterne bei 9.160 Bewertungen im Google Play Store, jeweils abgerufen am 27. Maerz 2026.

Der Unterschied zwischen den beiden Plattformen ist bemerkenswert und in der Berichterstattung ueber BISON selten erwaehnt. Der Durchschnittswert wird stark vom iOS-Anteil getragen.

Fuer wen sich BISON eignet

Die Staerken liegen klar auf der regulatorischen Seite: eine in Deutschland ansaessige Struktur, BaFin-Aufsicht ueber die Betreiberin, MiCAR-lizenzierte Verwahrung, gesetzliche Einlagensicherung auf den Euro-Guthaben ueber zwei Partnerbanken und eine Gebuehrenseite, die tatsaechlich alles offenlegt, inklusive der unangenehmen Punkte.

Die Schwaeche ist der Preis. Ein Spread von 1,25 bis 1,75 Prozent je Richtung ist im europaeischen Vergleich hoch, und die Staking-Gebuehr von 27 Prozent verstaerkt diesen Eindruck.

Geeignet ist BISON damit fuer Einsteigerinnen und Einsteiger, die Wert auf deutsche Aufsicht, deutschsprachigen Support und eine einfache Bedienung legen und in ueberschaubaren, regelmaessigen Betraegen investieren. Weniger geeignet ist die App fuer aktive Trader, fuer grosse Volumina und fuer alle, die vorrangig auf die Ausfuehrungskosten schauen.

Bewertung

Gebuehren: 2 von 5. Der Spread ist transparent ausgewiesen, aber hoch, und faellt in beide Richtungen an.

Regulierung und Sicherheit: 5 von 5. Klar getrennte, jeweils beaufsichtigte Einheiten, MiCAR-lizenzierte Verwahrung, Einlagensicherung auf Euro-Guthaben ueber zwei Banken.

Transparenz: 4 von 5. Die Gebuehrenseite ist vorbildlich und benennt auch den fehlenden MiCAR-Schutz beim Staking. Ein Punkt Abzug, weil der Spread als Durchschnittswert angegeben wird und schwanken kann.

Funktionsumfang: 3 von 5. Krypto, Aktien, ETFs, ETCs, Sparplan und Staking decken den Bedarf von Privatanlegern ab. Fortgeschrittene Funktionen wie Futures, Margin oder Lending fehlen.

Die Anlage in Kryptowerte ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollstaendigen Verlust des eingesetzten Kapitals fuehren. Dieser Testbericht ist keine Anlageberatung.