Nach Dencun im März 2024, Pectra im Mai 2025 und Fusaka im Dezember 2025 steht mit Glamsterdam der nächste geplante Hard Fork an. Anders als die Vorgänger richtet er sich nicht primär an Layer-2-Rollups, sondern an die Basisschicht selbst.
Der Name
Glamsterdam ist ein Kofferwort aus zwei Upgrade-Namen. Amsterdam bezeichnet den Teil auf der Ausführungsschicht, benannt nach einem früheren Devconnect-Standort. Gloas bezeichnet den Teil auf der Konsensschicht und ist ein Sternname. Ethereum benennt Hard Forks traditionell durch die Kombination eines Sternnamens mit der Stadt der jüngsten Devconnect-Entwicklerkonferenz.
Die beiden Kernänderungen
Zwei Vorschläge gelten als Headliner.
EIP-7732, Enshrined Proposer-Builder Separation (ePBS). Bislang läuft die Trennung zwischen denjenigen, die Blöcke bauen, und denjenigen, die sie vorschlagen, über externe Relays und MEV-Boost-Setups außerhalb des Protokolls. ePBS verlagert diese Beziehung samt Verpflichtungen und Zahlungen direkt in das Protokoll. Damit entfällt eine Vertrauensannahme, die derzeit außerhalb der Konsensregeln liegt.
EIP-7928, Block-Level Access Lists (BALs). Blöcke müssen künftig ihre Datenabhängigkeiten vorab deklarieren. Erst dadurch kann das Netzwerk mehrere Transaktionen gleichzeitig verarbeiten, statt sie streng nacheinander abzuarbeiten. BALs sind die Voraussetzung für echte parallele Ausführung.
Neben den beiden Headlinern werden in den Devnets weitere Vorschläge getestet, darunter EIP-7610, EIP-7688, EIP-7778, EIP-7843, EIP-7976, EIP-7981, EIP-8024, EIP-8246 und EIP-8282.
Wofür das gut sein soll
Der praktische Zweck ist Kapazität. Nach Angaben von ethereum.org machen BALs und ePBS zusammen es vertretbar, das Block-Gaslimit von derzeit 60 Millionen in Richtung rund 200 Millionen anzuheben. Das schafft mehr L1-Kapazität für Anwendungen.
Zur Einordnung, wie schnell sich das bewegt hat: Vier Jahre lang lag das Limit bei 30 Millionen, dann stieg es innerhalb weniger Monate auf 36 und weiter auf 60 Millionen.
Wichtig ist, was Glamsterdam nicht ist. Es handelt sich nicht um eine Abkehr von der Rollup-Strategie. BALs sind für L2-Sequencer transparent; Änderungen auf Sequencer-Seite sind nicht erforderlich.
Der Zeitplan – hier gehen die Angaben auseinander
Dies ist der Punkt, an dem die meisten Beiträge zu Glamsterdam ungenau werden, deshalb hier explizit.
Die offizielle Roadmap auf ethereum.org führt Glamsterdam mit Q4 2026 und dem Status „in development“. An anderer Stelle nennt ethereum.org die zweite Jahreshälfte 2026.
Andere Quellen nennen frühere Termine: Ein Staking-Anbieter berichtete von Ende August 2026 als internem Arbeitsziel, ausdrücklich als aspirativ und abhängig von Devnet-Reife und Client-übergreifenden Tests bezeichnet. Ältere Beiträge aus dem Frühjahr 2026 nannten Mai oder Juni.
Für die Einordnung gilt die primäre Quelle: Maßgeblich ist die Angabe auf ethereum.org, also Q4 2026. Frühere Nennungen stammen aus Zwischenständen der Entwicklerdiskussion und sind überholt oder waren nie verbindlich.
Ethereum hat eine Geschichte verschobener Upgrades. The Merge wurde über Jahre mehrfach verschoben. Die pünktliche Auslieferung von Pectra und Fusaka spricht für eine verbesserte Kadenz, doch Glamsterdam hat einen größeren Umfang, und das Zusammenspiel von ePBS und BALs ist in dieser Form auf Mainnet-Ebene nicht erprobt.
Nach Glamsterdam folgt Hegotá, auf der offiziellen Roadmap derzeit für 2027 geführt.
Was Anlegerinnen und Anleger tun müssen
Für reine ETH-Halter: nichts. Ein Hard Fork dieser Art erfordert kein Zutun von Inhaberinnen und Inhabern, keine Migration und keinen Token-Tausch. Wer aufgefordert wird, Token zu „migrieren“ oder eine Wallet zu „verifizieren“, hat es mit einem Betrugsversuch zu tun. Rund um jedes angekündigte Upgrade häufen sich solche Kampagnen.
Für Stakende und Node-Betreiber: Vor der Mainnet-Aktivierung müssen sowohl der Consensus-Layer- als auch der Execution-Layer-Client aktualisiert werden. Wer über einen Dienstleister stakt, sollte dessen Ankündigung abwarten; wer selbst betreibt, sollte die Client-Release-Zyklen verfolgen.
Für die Kostenseite: Das Gebührenniveau auf L1 hat sich bereits vor Glamsterdam deutlich verändert. Nach Angaben von ethereum.org zeigte der Gas-Tracker von Etherscan am 5. Mai 2026 Standard-Gas um 0,15 Gwei, mit Tagesdurchschnitten nahe 0,5 Gwei im April. Eine einfache ETH-Überweisung kostete auf diesem Niveau unter einem Cent. Wer sein Bild von Ethereum-Gebühren zwischen 2021 und 2023 gebildet hat, rechnet mit veralteten Annahmen.
Was schiefgehen kann
Zwei Risiken werden in der Entwicklerdiskussion offen benannt.
Erstens Scope Creep: Über 25 Nicht-Headliner-EIPs standen zur Aufnahme zur Debatte. Ein Engineering-Team hat öffentlich davor gewarnt, dass zusätzliche Aufnahmen den Zeitplan gefährden.
Zweitens Koordination: Ein Hard Fork dieser Größe verlangt synchronisierte Updates von Validatoren, Börsen und Infrastrukturanbietern. Fehlt diese Abstimmung, verzögert sich die Wirkung unabhängig davon, ob der Code fertig ist.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.
