Die Mining-Schwierigkeit von Bitcoin ist im Jahr 2026 unter ihren Vorjahreswert gefallen – zum zweiten Mal überhaupt in der Geschichte des Netzwerks. Das erste Mal war Mitte 2021, als das chinesische Mining-Verbot rund die Hälfte der Rechenleistung offline nahm. Damals kehrte die Schwierigkeit binnen Monaten auf Rekordniveau zurück, nachdem die Betreiber ihre Anlagen verlagert hatten. Diesmal liegt eine andere Ursache zugrunde.
Die Zahlen
Anfang August 2026 lag die Schwierigkeit bei rund 126,23 Billionen Hashes, etwa 14 Prozent unter dem Jahreshoch und 19,1 Prozent unter dem Rekordwert. Die geschätzte Netzwerk-Hashrate bewegte sich um 855 EH/s.
Der Rückgang kam in zwei großen Schritten. Am 7. Februar 2026 fiel die Schwierigkeit um 11,16 Prozent auf 125,86 Billionen, nachdem die Hashrate im Vormonat um rund 20 Prozent gesunken war und die durchschnittlichen Blockzeiten auf etwa 11,4 Minuten gestiegen waren. Im Juni folgte ein weiterer Rückgang um 10,09 Prozent, von 138,96 auf 124,93 Billionen. Bitcoin hatte in jenem Monat rund 15 Prozent verloren, und die vorangegangene Difficulty-Epoche dauerte etwa 15,6 Tage, weil Blöcke langsamer gefunden wurden.
Seither hat sich das Bild stabilisiert. Die Anpassung vom 8. August 2026 fiel mit plus 0,99 Prozent auf 127,48 Billionen wieder leicht positiv aus. Die Blockzeiten lagen zuletzt bei durchschnittlich 9 Minuten 54 Sekunden.
Der eigentliche Treiber
Bitcoin-Schwierigkeit steigt normalerweise über einen Zeitraum von zwölf Monaten, weil effizientere Hardware in Betrieb geht und höhere Kurse zusätzliche Kapazität rentabel machen. Eine Umkehr bedeutet, dass Maschinen das Netzwerk schneller verlassen, als neue Kapazität den Verlust ausgleichen kann.
Als Ursachen werden schwache Mining-Ökonomie, regionale Ausfälle, Abschaltungen im texanischen Stromnetz und politische wie energiewirtschaftliche Schocks in mehreren Mining-Regionen genannt. Der strukturell wichtigste Faktor ist jedoch ein neuer Wettbewerber um dieselbe Ressource: Betreiber von KI- und HPC-Rechenzentren.
Diese Betreiber zahlen Berichten zufolge das Drei- bis Fünfundzwanzigfache für Strom und haben damit Mining-Standorte zur Umrüstung gedrängt. Für die SHA-256-Rechenleistung ist damit erstmals ein struktureller Konkurrent um Kapital und Elektrizität entstanden – anders als 2021, wo es sich um eine regulatorische Vertreibung mit anschließender Rückkehr handelte.
Warum das für verbliebene Miner nicht nur schlecht ist
Ein Rückgang der Schwierigkeit senkt die Konkurrenz um Blöcke und verbessert damit die Rentabilität derjenigen, die im Netz bleiben. Überlebende Betreiber haben auf ASICs der nächsten Generation mit einer Effizienz unter 15 J/TH umgerüstet. Diese Neuinstallationen gleichen einen Teil der an KI-Rechenzentren verlorenen Hashrate aus und haben die Schwierigkeit zuletzt wieder auf 127,3 Billionen gedrückt.
Finanziert wird der Umbau teilweise durch Verkäufe. Cipher Mining meldete für ein Quartal einen Verlust von 300,6 Millionen US-Dollar und veräußerte 1.166 BTC, um die Umrüstung eigener Rechenzentren zu finanzieren.
Nicht alle Bilanzen zeigen in dieselbe Richtung. Block Inc. berichtete für das zweite Quartal 2026 einen Anstieg des Bitcoin-Bruttogewinns bei Cash App um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was zu einer bereinigten operativen Marge von 27 Prozent auf Konzernebene beitrug.
Die Margenlage
Der Hashprice, also der erwartete Minerumsatz je Einheit Rechenleistung, lag Mitte August bei rund 31,89 US-Dollar pro PH/s und Tag. Bei etwa 32 US-Dollar liegt der Wert für viele Betreiber je nach Betriebskosten und Maschinentyp an oder unter der Rentabilitätsschwelle. Im Juni hatte der Wert bei 27,67 US-Dollar gelegen.
In der Woche bis zum 17. August sammelten Miner insgesamt rund 3.178 BTC an Blockprämien ein, umgerechnet etwa 201 Millionen US-Dollar. Transaktionsgebühren machten davon lediglich 0,69 Prozent aus, also rund 22 BTC oder etwa 1,39 Millionen US-Dollar.
Dieser Gebührenanteil ist die stille Problemstelle des Modells. Nach jeder Halbierung der Blockprämie soll langfristig der Gebührenmarkt einen wachsenden Teil der Minervergütung tragen. Bei 0,69 Prozent ist davon derzeit nichts zu sehen.
Einordnung
Bitcoin notierte am 17. August 2026 bei rund 64.259 US-Dollar, ein Minus von etwa 1,0 Prozent auf Wochensicht und rund 26,4 Prozent seit Jahresbeginn. Kryptokurse ändern sich fortlaufend; die genannten Werte beziehen sich ausdrücklich auf den Erhebungszeitpunkt und sind keine aktuellen Kurse.
Wichtig für die Einordnung: Der Bitcoin-Kurs geht nicht in die Difficulty-Formel ein. Er wirkt nur mittelbar, über die Rentabilität und damit die Teilnahme der Miner. Wer aus einer fallenden Schwierigkeit direkt auf einen Kursverlauf schließt, verwechselt Korrelation mit Kausalität.
Ebenso wenig ist eine sinkende Schwierigkeit ein Sicherheitsproblem im engeren Sinne. Sie bedeutet weniger Wettbewerb unter den verbliebenen Minern, nicht ein angreifbares Netzwerk. Die Anpassung alle 2.016 Blöcke ist genau der Mechanismus, der diesen Ausgleich herstellt.
Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.
